Edel sei der Mensch, hilfreich und gut 

(Goethe)

Yoga Matte und Schaffell eingepackt, Kriya und Meditation dabei, auf geht‘s nach Heilbronn zum 40 Tage Projekt. Wie schon die letzten 12 Jahre veranstalten wir als Sangat das 40 Tage Kundalini Yoga Projekt für einen wohltätigen Zweck. Die Yoga Lehrer aus der Region sind mit dabei und wir bieten 40 mal abends eine Stunde Kundalini Yoga im botanischen Obstgarten an. Dies ist unser Seva für die Menschen in Heilbronn, für einen guten Zweck, wie zum Beispiel die Mitternachtsmission, die sich um Frauen in Not kümmert, für die Betreiber des Obstgartens, auch für uns als Sangat zur Stärkung der Gemeinschaft und um uns in Heilbronn bekannter zu machen. Also eine win-win-win-win Situation.

Spätestens in deiner Yoga Lehrer Ausbildung wirst du das Wort Seva zum ersten Mal hören. Doch was ist es genau? Kostenlos Teller spülen, Staubsaugen oder Einkaufen für das nächste Yoga Wochenende?

Yogi Bhajan sprach in seiner Lecture davon, wie wichtig folgende Punkte für dein spirituelles Wachstum sind:

Bana bedeutet, sorgfältige Kleidung und ein Erscheinungsbild durch das das Göttliche aus dir heraus strahlt, 

Bani wähle bewusst deine Worte und Sprache um niemanden herabzusetzen, 

Seva Selbstloses Dienen, deine Handlung, Zeit, Arbeit um einem größeren Zweck zu dienen und andere zu erheben und 

Simran erhebe dich selbst durch deine tägliche spirituelle Praxis und meditative Versenkung. 

Laut Yogi Bhajan soll Seva andere erheben „elevate other people as divine“ das bedeutet, du stellst dich in den Dienst des großen Ganzen. Das wäre auch dein Seva Dienst in der Küche für die Ausbildungsgruppe, damit alle ein gutes Wochenend Seminar haben und die Inhalte gut integrieren können.

Was ist genau ist dann altruistischem Handeln?

Altruismus ist Handeln zum Wohl der Gruppe, des Gemeinwohls. Es ist aber auch das Zurückstellen eigener Interessen. Die Balance aus Eigeninteresse und Dienst am Anderen wird auch als Liebe bezeichnet.

Das gilt im kleinen familiären Bereich, aber auch im großen Zusammenhang wie zum Beispiel die Organisation Ärzte ohne Grenzen es praktiziert.

Auch das sollte ein Yogi beherrschen oder sich dazu verpflichten. Doch was ist es genau und wo liegt der Unterschied?

Altruismus kann man auch im Tierreich beobachten. Elefanten kümmern sich zum Beispiel um die Kälber anderer Mütter. Sich um den Nachwuchs zu kümmern und die Nachfolge sicherzustellen wäre der natürlich angelegte Altruismus. 

Bei Frauen wiederum ist altruistische Handeln geschichtlich gesehen immer positiver bewertet worden als bei Männern. Das Aufopfern für die Familie war wichtiger als eine eigene berufliche Karriere. Doch zum Glück hat sich dieses Bild gewandelt und die Geschlechter Rollen definieren sich neu.

Motivation für altruistisches Handeln kann ein Gefühl von Empathie sein, Verbundenheit mit dem Opfer (das hätte auch mir passieren können), generelle Dankbarkeit dem Leben gegenüber, aber auch, weil das Umfeld es erwartet oder es aus berechnenden Gründen heraus entsteht.

Altruistisches Handeln und auch Seva ist immer eine win-win Situation. Es wurde in Studien festgestellt, dass man mehr Freude empfindet, wenn man vom Herzen heraus gibt, als wenn man etwas bekommt. Du gibst deine Zeit, deine Taten, deine Geschenke oder dein Geld mit dem Gefühl, einem anderen damit helfen zu können, ihn zu unterstützen und sich aus einer Notlage befreien zu können. Dementsprechend ist dein Verhalten kein Mittel um eine wertige Rückgabe zu erhalten. Du handelst aus dir heraus, ohne die Erwartung von Gegenwert. Das Wohlwollen für das Gegenüber steht im Vordergrund. Wichtig jedoch ist, dass die Selbstachtung und das Glück des Gebenden dadurch nicht geschmälert wird.

Wie ist es dann mit der Selbstverwirklichung? Kann ich auch ohne auf meine persönlichen Ziele zu achten, meine Wirklichkeit, mein Sat Nam leben, den Impuls der mich altruistisch agieren lässt? Wo in diesem Handeln bleibt meine Person?

Selbstverwirklichung und Altruismus schließen sich nicht aus, denn Altruismus ist ein Ausdruck des Selbst.

Wenn man kleine Kinder beobachtet sieht man schnell, dass auch sie sich ganz natürlich altruistisch verhalten. Im Laufe des Lebens verliert sich diese Eigenschaft ein wenig. Durch Konkurrenzstreben – wer der Klassenbeste ist, Wettkampf im Sport und Spiel wollen wir besser, schöner, schneller sein als andere. 

Doch Mitgefühl und Empathie lassen sich wieder erlernen und trainieren. Ein Weg dazu wäre zum Beispiel die Metta Meditation aus dem Buddhismus oder auch unser reicher Schatz an Meditationen im Kundalini Yoga und auch dein Seva Dienst in der Sangat, beim nächsten Workshop oder Sadhana.

Wozu sollte ich das tun und was bringt mir das? In unserem Alltag sind wir von vielen negativen Eindrücken belastet. Nicht weil es mehr Negatives gibt als Positives – nein, weil uns das Negative weit mehr auffällt und wir es in unserem uns eigenem Warnsystem schneller aufnehmen. Genau genommen gibt es sogar mehr Positives als Negatives und beides wird wir eine Kettenreaktion weitergegeben. Wie man zum Beispiel im Straßenverkehr gut beobachten kann. Nimmt mir jemand die Vorfahrt beim Autofahren, werde ich ärgerlich und fahre auch vielleicht etwas aggressiver. Genauso verhält sich dies auch umgekehrt, schenkt mir jemand die Vorfahrt oder lässt mich in eine Lücke im Stau, werde ich wohlwollender und gebe auch dieses gerne weiter. 

Jede Yoga Stunde, jede Meditation ist wie ein Kieselstein, den man in einen großen See wirft und der seine Kreise zieht. Die gestresste Mutter wird vielleicht ihr Kind am nächsten Morgen liebevoller begrüßt, der Chef, der seine Mitarbeiter lobt und motiviert und so weiter…

Seva ist eine Mischung aus Karma Yoga und Bhakti Yoga – man dient dem anderen (Karma Yoga) mit der Haltung reiner selbstloser Liebe (Bhakti Yoga). Dazu braucht es Inspiration, Commitment und auch eine Handlung selbst. 

Im Vergleich zum Altruismus ist bei Seva die spirituelle Komponente vielleicht größer, allerdings ist auch die Spiritualität ein wichtiges Mittel, um Altruismus zu erlernen. Somit kann beides Hand in Hand gehen, um dem größeren Ganzen zu dienen.

Um die Probleme unserer Zeit und auch im globalen Geschehen zu lösen, braucht es Altruismus und Seva, denn mit Selbstsucht und dem Anhäufen von Materiellem für sein eigenes Wohl werden wir weder glücklich, noch hilft es im Zusammenleben der Menschheit. Im Zeitalter immer knapper werdender Ressourcen ist ein weiteres Forschungsgebiet effektiver Altruismus. Wie setzte ich Rohstoffe, Geldmittel oder auch Zeit so effektiv ein, damit sie dem großen Ganzen am besten dienen. 

Ob im Kleinen, direkt in der Familie, auf der Yogamatte, in deinem privaten Umfeld oder im globalen Zusammenhang wird es immer wichtiger Seva und altruistisches Handeln zu praktizieren, aus Liebe, Verbundenheit zur Schöpfung und für alle Lebewesen.

Tips zum Vertiefen und Quellen:

Matthieu Ricard https://www.matthieuricard.org/en/

Library of teachings KWTC Lecture 1.August 1982, Esanola

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.